Chronik von

Anna Maria Angelika Baer

(geb. Prunkl)


Anna Maria wurde liebevoll Annemarie genannt.

Sie wurde am 04.11.1929 in Temeschburg/Rumänien als Kind deutscher Eltern im Gebiet des deutsch Siedlungsraumes der Donauschwaben in Rumänien/Banat geboren.


Mit zwölf Jahren schickten ihre Eltern sie nach Deutschland. Von der deutschen Schule „Notre Dame“ der Armen Schulschwestern im Gymnasium Temeschburg wechselte Sie an das Mädcheninternat Oberrealschule „Angerkloster“ in München, im Jahre 1942. Diese Schule wurde während des Krieges wegen der ständigen Luftangriffe auf München nach Bad Tölz verlegt, wo sie als fünfzehnjährige das Ende des Krieges erlebte.


Anschließend arbeitete sie für Kost und Logis bei einem Bauern im Voralpenland als Hilfskraft. Eine Verbindung zu den Eltern war nicht möglich. Allerdings bekam sie über das Rote Kreuz Verbindung zu ihrer vertiebenen Cousine, die sich in Freising angesiedelt hatte. Auch als diese nach Amerika auswanderte, blieb die gerade siebzehnjährige Anna Maria der Domstadt Freising treu.


Seit 1945 wohnte sie dann in Freising, wo auch die Familienzusammenführung im Jahre 1949 mit Vater und Mutter und 1951 mit der Schwester erfolgte.


Die Sehnsucht nach Temeschburg war groß und so fing sie im Jahre 1949 an, das überlieferte deutsche Kulturgut – als Brücke zur Heimat – zu pflegen. Sie schloß sich Jugendgruppen an und traf Menschen, die ebenfalls Begeisterung am donauschwäbischen Kulturgut zeigten. Schon damals brachte Sie anderen Interessierten die ersten donauschwäbischen Volkstänze bei. Als eine der ersten Mädchen in Bayern erhielt Sie einen Jugendleiterausweis.


So wurde schon im Jahre 1949 im Lindenkeller in Freising das 1. Trachtenfest der Südostdeutschen durchgeführt. Dies war zugleich die „Geburtsstunde der "Südostdeutschen Jugendgruppe Freising" unter unserem Landsmann Hans Rosinger. In vielen kulturellen Veranstaltungen wurden mit großem persönlichen Einsatz von der Tanzleiterin Annemarie Baer (geb. Prunkl), die Sitten und Bräuche unserer Vorfahren in der neuen Heimat vorgestellt, weitergegeben und somit für die Zukunft bewahrt.

Viele neue Kontakte entstanden und wurden gepflegt. Als eine Trachtentanzgruppe gebildet wurd folgten die erste pffentlichen Auftritte mit Volkstanzdarbietungen in donauschwäbischer Originaltracht aus den rumänischen Siedlungsgebieten. Der südostdeutsche Volkskalender 1950 brachte ein Photo, wo die junge Trachtenträgerin vom Freisinger Oberbürgermeister Lehner begrüßt wird.


In einem Schreibem vom 14.September 1954, unterzeichnet vom Bürgermeister Hofman sprach ihr der Stadtradt von Freising für die Gestaltung des Kinderfestzuges beim Volksfest 1954, besonders für ihre Tanzgruppe seine Anerkennung aus.


Am 16. Oktober 1957 erwarb sie die deutsch Staatsangehörigkeit in München.


In der Folgezeit organisierte Frau Annemarie Baer unter anderem auch eine gutbesuchte und in der Öffentlichkeit sehr beachtete Ausstellung in Freising >Erinnerung an die Heimat>, in der originalgetreue Nachfertigungen von donauschwäbischen Wohnstuben und Küchen mit allen bäuerlichen Utensilien und viele Trachten aus der alten Heimat zu sehen waren.


Viele Einladungen folgend absolvierte sie mit ihrer Trachtentanzgruppe Tourneen auch im Ausland, so in Österreich, Italien, Ungarn und Übersee. Die Teilnahme am Münchner Oktoberfestzug ist schon lange Tradition.

Eine der Höhepunkte war die Teilnahme an der Steubenparade in New York.

Es würde zu weit führen, hier alle Auftritte, Volkstumsseminar, Teilnahmen an Kundgebungen, Festzügen usw. aufzuführen, an denen Frau Baer mitgewirkt hatte.


11.05.1962 erfolgte die Eheschließung mit Konrad Valentin Baer und Anna Maria Prunkl in Freising.


Im Jahre 1980 wurde die Donauschwäbische Trachtengruppe Freising e.V. als eingetragener Verein in Freisinger Register eingetragen.


Für die Erhaltung des Donauschwäbischen Kultur- und Brauchtums wurde ihr im Jahre 1988 der Anerkennungspreis des Landkreises Freising verliehen. Vom Bundespräsidenten erhielt sie die Verdienstmedallie des Verdienstordens der Bundesrepublick Deutschland.


Für ihre langjährige

Tätigkeit als Übungsleiterin für rythmische Bewegung und Tanz bei behinderten Kindern der Freisinger Fröbelschule erhielt sie vom Oberbürgermeister Dr. Schäfter bei der Sportlerehrung die Silberplakette.


Ebenso bekam sie die Bürgermedallie in Silber der Stadt Freising, worüber sie sich sehr freute. Die Ehrung sah sie als eine große Anerkennung ihrer bisherigen Leistung an.



Abschied von Annemarie Baer


Am 19. August 1997 verschied Frau ANNEMARIE BAER, das "Herz" unseres Vereins, für uns alle unfassbar, im 67. Lebensjahr. Mit Ideenreichtum, Organisationstalent und unermüdlichem Einsatz für den Erhalt des donauschwäbischen Kulturgutes, aber auch mit persönlichem Einsatz für jedes einzelne Mitglied der Trachtengruppe gelang es ihr Kinder, Jugendliche und Erwachsene für gemeinschaftliche Unternehmungen zu begeistern.